Betrachtung traditioneller Verhälnisse und moderner Enteignung und Landraub !
Blickt man auf das Denkmodell , das unserer heutigen Anschauung und Begrifflichkeit von Eigentum und Besitz zugrunde liegt , stellt man fest , das es eine Geschichte des Kapitalimus ist . Ein Kapitalismus , der sich im Laufe der Jahrhunderte in Form , Ausmaße und Folgewirkungen – und Erscheinungen verändert hat , während das Denkmodell grundliegend das gleiche blieb . Die heutzutage zunehmende Spaltung zwischen Arm und Reich , die ungleichgewichtige Verteilung von Vermögenswerten und die Zerstörung unserer Umwelt sind direkte Folgen der mangelnden Entwicklung dieses Denkmodells , das die komplexen Ausbeutungsmechanismendes modernen Kapitalismus weder kontrollieren noch regulieren kann .
Könige und Monarchen rechtfertigten ihren Besitzanspruch auf Land über die Jahrhunderte hinweg hauptsächlich durch eine Mischung aus göttlicher Legitimation als eine Art ethisch-moralisches Alibi und militärischer Stärke . An Wilhelm den Eroberer wird diese merkwürdige Verschmelzung dieser beiden sehr gegensätzlichen Aspekte veranschaulicht . Sein militärischer Sieg um das Jahr 1066 in England wurde als Beweis ausgelegt , dass Gott auf seiner Seite stand und seinen Herrschaftsanspruch unterstützt . Im Jahre 1215 durch die Einführung der Magna Carta wurde erstmals sogenannte Gewohnheitsrechte festgelegt , um das Volk vor der Willkür eben jenes Herrschaftsanspruches zu schützen . Es war der erste Gesetzesentwurf ,der versuchte absolute Macht zu zügeln .
Die Theorie , die allgemeinhin das Fundament des klassischen Liberalismus und des modernen Kapitalismus bildet , ist die Eigentumstheorie des Philosophen John Locke , die um das Jahr 1690 enstanden ist . Sie ist das Kernstück von Definitionen und Gesetzmäßigkeiten , die im Laufe der Zeit für uns Menschen selbstverständlich wurden und bis zum heutigen Tag wirken und aktiv die Welt gestalten . Die Eigentumstheorie basiert auf der Arbeit , durch die ein Mensch seine eigene Person und Arbeit mit der Natur vermischt . Jeder hat ein Eigentumsrecht an seinem Körper und den Früchten seiner Arbeit . Sie besagt , dass die Erde ursprünglich gemeinsamer Besitz sei , doch das Recht auf Selbsterhaltung erfordere die Aneignung . Eigentum ensteht , wenn Arbeit wie z.B. Landwirtschaft aber auch das einfache Sammeln von Früchten in die Natur investiert wird , dieses würde den Erwerb von Eigentum rechtfertigen . Laut der lockeschen Klausel soll genügend gleich Gutes für Andere übrig bleiben . Ein Versuch der Reglementierung ist die eingeführte Verderbnisgrenze : man darf sich nur soviel aneignen , wie vor dem Verderben genutzt werden kann . Die Einführung von Geld umgeht die Verderbnisgrenze , es zerfällt nicht im materiellem Sinne . Dies führt zu einem grenzenlosen Anhäufens von Reichtum . Dem Menschen ist ein Trieb zur Sicherung und Akkumulation angeboren , doch durch diese Rechtfertigung des grenzenlosen Anhäufens eines Wertmediums , das ausserhalb der natürlichen Zyklen von Enstehen und Vergehen steht , ist es möglich geworden , dass dieser Trieb sich zu Gier entartet .
vom Mittelalter bis in das 18. Jahrhundert war das Landbesitzwesen von gutsherrschaftlichen und grundherrschaftlichen Besitzansprüchen geprägt , treibende Mechanismen waren Leibherrschaft und Frondienst . Der zentrale Menschentypus dieses Besitzwesens war der patriachalische Grundherr , die Untertanensituiation war geprägt von stark eingeschränkten Besitz – Rechts – und Bildungsverhältnissen . Erst mit der Zeit des Aufkommens der Aufklärung begann eine langsame Reformierung der ökonomischen und sozialen Bedingungen durch den Landadel . Das Dorf als Lebensgemeinschaftsmodells wird seit dem 18. Jahrhundert durch Städte als Ballungszentren der Lebensaktivität verdrängt . Dörfer verfügen über eine alte , von Europa aus gesehen bis in die Antike zurückreichende Kultur – und Bildungsgeschichte . Ihre soziale Ordnung war eine der Nähe , wo man Probleme mehr oder weniger unter sich regelt , ohne staatliche Instanzen und Institutionen in Anspruch zu nehmen . Nähe , Kommunikation und Integration waren Stärken dieser sozialen Struktur . Die dunkle Seite dieses Gemeinschaftsmodells war die Enge , soziale Kontrolle und die Exlusion von Andersdenkenden und Fremden . Verloren in der globalisierten Welt braucht es mehr Nähe , mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt . Zunehmender Mangel an wohnortsnaher Grundversorgung fördert und untermauert die industrielle Abhängigkeit . Ein weiterer Aspekt des Dorfes als Lebensgemeinschaft ist es , dass Haushalte in der Regel generationsübergreifend waren , in denen Besitz von einer Generation in die andere überging . Laut dem Wtrtschaftsinstitut Berlin prägen die heutigen Wirtschaftsstrukturen historische Erbschaftsregeln für das Land . Die Realteilung ist eine Aufteilung unter allen Kindern und im Südwesten gebräuchlich , im Norden und Osten ist das Anerbenrecht üblich . Von beiden Erbschaftsregeln gilt die Realteilung als wirtschaftlich erfolgreicher , sie fördere mehr Unternehmertum , höheres Wachstum und mehr Wohlstand . Das Erbrecht hat einen wesentlichen Einfluss auf die heutigen regionalen Wirtschaftsstrukturen und den damit verbundenen Wohlstand .
Auf dem Weg vom Feudalwesen zu den heutigen Verhältnissen gilt das 15. Jahrhundert als wichtige Periode des Übergangs in Rechtssystemen zu der Entwicklung zum privaten Grundbesitz . 1535 wird die Statute of Uses eingeführt , 1677 die Statute of Frauds , diese klären Eigentumsrechte und formalisieren Übertragungsverfahren zu Erleichterung der Übertragung von Grundstücken . Das Rechtsdenken des Mittelalters basierte auf der Wiederendeckung römischer Rechtsgrundlagen und bilden auch die Grundlagen modernen Eigentumrechts . Im 16. und 17. jahrhundert wandelte die englische Enclosure-Bewegung kommunalen Landbesitz in Privateigentum um , sie verteilten das Land neu und konsolidierten den Besitz unter wohlhabenden Grundbesitzern . So schufen sie die Grundlagen für die kapitalistische Agrawirtschaft , ein Muster , das den Landbesitz bis Heute prägt . Im 18. Jahrhundert ereigneten sich tiefgreifende Veränderungen in der Landnutzung und den Eigentumsverhältnissen . Die rasche Ausdehnung der Städte , die Entstehungen von Fabriken , Eisenbahnen und anderen industriellen Infrastrukturen transformierten die Landschaften und waren begleitet von einer grossen Nachfrage nach Landbesitz zur industriellen Nutzung und Wohnraum für die Arbeiterschaft .
Das 21. jahrhundert ist soweit geprägt von der Digitalisierung der Verwaltung , ansonsten bezieht man sich auf ein bleibendes Erbe der Vergangenheit , was besagt , dass das Denkmodell unverändert bleibt – hierarchisch und patriachal . Auch die Sorgen und Nöte der sogenannten Unterschicht haben sich ihrer Erscheinung nur oberflächlich verändert , ihre Beziehung und Bezugsnahme zu Staat und Gesellschaft ist geprägt von Unfreiheit und Abhängigkeit . Diese haben sich auf dem Weg vom Feudalsystem zum Privateigentum kaum verändert ; man könnte wagen zu behaupten , dass die Grausamkeiten sich lediglich von einer offenen körperlichen Gewalt zu einer versteckten psychologischen Gewalt verlegt haben . Die Unfreiheit eines Leibeigenen finden wir auch Heute noch in versteckter Form der Abhängigkeit von systemischer Lebenserhaltung und einem mangelnden Mitbestimmungsrecht .
Die ethischen Grundlagen , die den Menschentypus schaffen und bestimmen , der weltliche Macht ausübt , sind dem wachsenden menschlichem Bewusstein und der rasanten technologischen Entwicklung nicht gewachsen und verankert in einem veralterten Modell , dass auschließlich auf materielles Denken ausgerichtet ist . Kern dieses Denkens ist der individuelle und kollektive Wohlstand , die Vermeidung von Mängeln und die Schaffung von Überfluss . Diese Begrifflichkeit stellt die menschliche Bedürfnisbefriedigung in das Zentrum des Weltbildes und vernachlässigt konsequent das Gleichgewicht zur Natur und anderen Spezies , in radikalen Erscheinungsformen auch zu anderen Menschen .
In der Moderne gilt die Immobilie als materielle Verkörperung von Grund und Boden und seine Erschliessung und ist durch die Zeitgeschichte verknüpft mit dem Streben nach Wohlstand . Im Feudalismus war der Grundbesitz die Grundlage eines hierarchischen Gesellschafts – und Wirtschaftssystems , das Land war die wichtigste Quelle von Reichtum und Macht . Die Enstehung des Eigentumrechts ist ein schrittweiser Übergang vom Feudalismus zum Privateigentum gewesen und begann mit der Ausstellung königlicher Urkunden . Der König begann die traditionelle feudale Hierarchie zu umgehen und stellte urkundlich Land direkt an Einzelpersonen aus . Mit der Zunahme von Eigentumsrechten enstand der Bedarf nach formalisierten Zahlungs – und Registrierungssystemen , Grundbuchämter und Registrierungsämter enstanden und begannen die Übertragung zu dokumentieren . Das gleichzeitige Aufkommen der Steuersysteme generierte die Einnahmen zur Finanzierung öffentlicher Infrastrukturen und Dienstleistungen , die das Grundgerüst unseres heutigen Lebenserhaltungssystems darstellen . Die Grundsteuer galt als Haupteinahmequelle der Regierungen . Es steht das Konzept des Naturrechts , das Recht des Menschen auf Eigentum aufgrund seiner blossen Existenz , von einer höheren Macht verliehen , gegenüber dem Gemeinschaftseigentum , der kollektiven Verwaltung von Land mit den Schwerpunkten der Verbundenheit von Gemeinschaften und der Notwendigkeit einer gerechten Verteilung von Resourcen .
Die europäische Auffassung von Besitz und Eigentum ist gekennzeichnet von der Zweiteilung in privates und kollektives Eigentum . Die sozialistische Theorie des historischen Materialismus stigmatisierte privates Eigentum priveligierte kollektives . Staatseigentum stellte die höchste Form der Vergesellschaftung dar , doch Jäger und Sammler – Kulturen zeigen , dass es radikal alternative Regulierungssysteme geben kann , die auf Mechanismen des Teilens basieren . Nach dem Zusammenbruch sozialistischer Systeme und der zunehmenden Privatisierung von Eigentum hat sich an manchen Orten wie siebirischen Gemeinden gezeigt , dass das Zurückgreifen auf Mechanismen wie das Teilen von Gütern und der Kooperation – der Geist der Zusammenarbeit – immer noch und immer wieder die sichersten Bewältigungsstrategien unter Bedingungen der Unsicherheit darstellen .
Tatsächlich hat sich herausgestellt , dass der Schlüssel zum modernen Landraub , die grosse Privatisierungswelle der letzten Jahrzehnte ist . Konzernkonglomerate streben nach Firmengepflechten – und Netzwerken , die eine grosse Konzentration von Land besitzen . Grosse Betriebs – und Konzerngruppen bemächtigen sich mithilfe von Steuertricks im grossen Stil Land . Der Finanzwert von Land wächst stetig aufgrund des begrenzten Vorhandenseins , der Trend der Landkonzentration führt dazu , dass Wenige den Großteil besitzen und Viele davon abhängig sind . der Besitz von Land stützt sich nach wie vor auf das Erbrecht und steht oft im Konflikt mit privaten Verkäufen . Grosse Konzerne betreiben eine Politik der doppelten Böden , Ikea kauft privat einen der letzten europäischen Regenwälder in Romänien , betreibt nach Aussen eine umweltfreundliche Politik , verarbeitet aber intern 100% des Waldbestandes zu Billigmöbeln . Die Ausbeutung des Landes zielt nicht nur auf Nahrung durch Landwirtschaft und Waldbestände , sondern auch auf Bodenschätze für die Verwertung in Technologie . Ein Fakt , der verdeutlicht , wie wenig sich das Besitzwesen in den letzten 400 Jahren entwickelt und verändert hat , ist der Umstand , dass er weltweit grösste Landbesitzer nach wie vor die englische Krone ist . Ganze Staaten wie z.B. Kanada stehen seit Anfang ihrer Geschichte auf gestohlenem Boden , da die dortigen indigenen Völker nicht im Lockeschen Denkmodell verankert waren und die europäische Denkweise nicht teilten , konnten sie auch keine Übereignung an Andere vollverständlich tätigen . Ihre Denkweise nach gehört ihnen das Land nicht , sie selbst sind dem Land angehörig , sie können es mit anderen teilen jedoch nicht verkaufen . Die Ausbeutung von Resourcen und die Umweltzerstörung auf dem enteigneten Land in Kanada ist gravierend .
Die Geschichte hat dokumentiert wie gewaltätig koloniale Landnahme war und von der Kolonialzeit bis Heutegeht es bei der Landenteignung verstärkt um den Anbau und das Geschäft mit Exportfrüchten . In Paraguai gilt der Landraub als Quelle allen Leidens der Bevölkerung , Konzerne und Großgrundbesitzer führen einen Vernichtungskrieg gegen Kleinbauer , die Zerstörung ganzer Döfer und die Erkrankungder Bevölkerung durch den Einsatz von Pestiziden sind alltägliche Übel . Der herrschende Menschentyp , Tyrann seiner Umwelt und Feind seines Nächsten , ist nach wie vor der patriachale Grundherr .
Grundlegend kann man feststellen , dass die Art wie wir uns selbst und unsere Umwelt behandeln darauf basiert , wie wir uns selbst und unsere Umwelt begreifen . Werte , die uns vermittelt werden wie die Begrifflichkeiten von Recht und Unrecht , Strukturen , in die wir hineingeboren werden , wie die Gesellschaften , die uns umgeben , mit ihren reichen Eliten und einer Arbeiterschaft in Lohnabhängigkeit sind von rückständiger Natur und gehören einem veralterten Denkmodell an . Unsere Weltanschauung bedarf einer grundlegenden Restaurierung , wir als Individuen haben die Wahl , ob wir unsere Lebenszeit gefügsam in Anpassung an überholte Strukturen verbringen und zuschauen , wie das marode Gebäude unsere Zivilisation zerfällt , während wir es bewohnen , oder ob wir unser Handeln ändern in dem wir unser Denken renovieren . Wir brauchen eine neue Ethik und eine neue Wertigkeit , die den Herausforderungen unserer Zeit entsprechend ist . Dabei müssen wir das Rad nicht neu erfinden , gute Ansätze für eine neue Ausrichtung unseres Denken und Handelns finden wir bei jenen Menschengruppen , die der Kapitalismus im Laufe seiner Geschichte entweder als Opfer oder als Feinde behandelt hat . Gehört uns das Land oder sind wir dem Land angehörig ? Wären wir bereit unsere Güter zu teilen und im Geiste der Zusammenarbeit zu wirken oder begegnen wir uns weiterhin im Konkurenzkampf um Lebensraum und Resource ? Diese entscheidenen Fragen sind die Schnittstellen in unserer Selbst – und Weltwahrnehmung , die am Ende ihrer kausalen Verkettung über unseren Fortbestand oder unseren Untergang entscheiden .